Die Schwarze Kunst – VON HURENKINDERN, WAISENKINDERN & ZWIEBELFISCHEN

Wir werfen hier nicht mit Schimpfwörter um uns, sondern mit der Fachsprache der Drucker aus der «Schwarzen Kunst». Die Schwarze Kunst hat nichts mit Hexerei zu tun. Das online Lexikon Wikipedia beschreibt sie als «handwerkliche oder künstlerische Tätigkeit bezeichnet, bei der mit Druckfarbe Vervielfältigungen auf Papier hergestellt werden» – sprechen wir vom Druck auf Papier.

Gehen wir aber nun zu den etwas derben Begriffen über, welche aus der Arbeitswelt der Setzer und Buchdrucker stammen. Für was stehen die etwas derben Begriffe wie Zwiebelfisch oder Hurenkind sein?

Begriff für den Schriftsatz und Buchdruck, aufgrund der schwarzen Druckfarbe, die verwendet wurde. Nachfolgend einige Begriffe aus der Arbeitswelt der Setzer und Buchdrucker

BLOCKADE

Die Blockade (im Mittelalter eine Kriegstaktik) im Sprachschatz der Schwarzen Kunst hat jedoch eine deutlich friedlichere Bedeutung: Wenn ein Teil eines Textes fehlt oder nicht entziffert werden kann, blockiert man einzelne Buchstaben oder Worte. Im Bleisatz wurden die Lettern umgedreht. Auf diese Weise entstanden viereckige, schwarze Flächen auf dem Korrekturabzug, um auf das Fehlen der richtigen Angaben hinzuweisen.

HOCHZEIT UND LEICHE

Früher nannte man jedes kirchliche und weltliche Fest «Hochzeit». Heute bedeutet Hochzeit «Vermählungsfeier». Eine Hochzeit im Sinne der Schwarzen Kunst bedeutet, wenn ein Wort oder ein Satzteil doppelt gesetzt wurde. Von einer Leiche spricht man, wenn in einem Satz ein oder mehrere Wörter ausgelassen wurden.

JUNGFRAU

Manchmal geht in der Schwarzen Kunst der Druckfehlerteufel um. Darum werden alle Satzarbeiten in einer Druckerei Korrektur gelesen. Eine fehlerfreie Arbeit – ohne irgendwelcher Korrekturen – wird «Jungfrau» genannt.

HURENKIND UND WAISENKIND

Auch in der Schwarzen Kunst ist das Hurenkind und das Waisenkind unerwünscht und sie dürfen in einem tadellosen Druckerzeugnis nicht vorkommen. Ein Hurenkind bezeichnet die letzte Zeile eines Textes, die alleine am Anfang einer neuen Spalte steht. Das Waisenkind hingegen ist die erste Zeile eines Absatzes, die irrtümlich als einzelne Zeile am Ende der vorangehenden Spalte steht.

ZWIEBELFISCH

Von den Angehörigen der Druckerzunft wurde äusserste Sorgfalt in ihrer Arbeit erwartet. Wer beim Zurücklegen der Lettern in den Setzkasten Fehler machte, verstiess gegen die Sorgfaltspflicht: er bot Zwiebelfische feil. Bei diesen Zwiebelfischen handelt es sich um Buchstaben, die aus Nachlässigkeit zwischen eine andere Schriftart abgelegt wurden.

Fehler vermeiden

Um Fehler zu vermeiden, muss man sie vorerst natürlich erkennen. Ein prüfender Blick hinsichtlich dieser Problematiken ist also angebracht.
Im Anschluss sollte untersucht werden, ob betreffende Absätze nicht früher bzw. später gesetzt werden können, vorausgesetzt ein solcher Eingriff in den Text durch Lektor/Redakteur ist überhaupt möglich.
Falls wir Sie bei uns nun einmal einer dieser Begriffe hören, fluchen wir nicht sondern fachsimpeln.